Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, ins Weltall zu telefonieren? Das dachten sich auch Tausende Künzelsauer und eilten in der vergangenen Woche trotz größter Hitze ins Zentrum ihrer Heimatstadt, um bei einem Live-Call zur ISS dabei zu sein. Mit einer tollen Choreografie schickten die Besucher dem deutschen Astronauten Alexander Gerst eine Grußbotschaft auf die internationale Raumstation. „I hear you loud and clear“, freute sich dieser und grüßte herzlich zurück. „Hallo Hohenlohe.“

Bei der 20-minütigen Funkverbindung zur ISS gab Alexander Gerst einen Einblick in seine Arbeit, demonstrierte spielerisch die Wirkung der Schwerkraft und beantwortete geduldig Frage um Frage. Am Rande der Veranstaltung in Künzelsau haben wir die Chance genutzt, uns mit Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu unterhalten. Der DLR-Missionsmanager, Jahrgang 1963, ist verantwortlich für die deutschen Belange bei der wissenschaftlichen Nutzung innerhalb der europäischen Weltraumorganisation ESA und bei den Missionen Blue Dot und horizons von Alexander Gerst.

Am 06. Juni um 13.12 Uhr ist die Rakete mit Alexander Gerst vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur aus in Richtung ISS gestartet. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Mission, Herr Schmid?
Wir sind bislang sehr zufrieden. Unsere Experimente, die seit dem 08.06. eingeplant waren, sind alle ganz gut gelaufen. Wir haben aber auch noch viel vor uns. Ein paar kleinere Anomalien oder technische Probleme gab es schon. Man kann viel testen, aber im All verhält sich vieles anders. Solange man Lösungen findet, kann man weitermachen.

Was wird die größte Herausforderung?
Das Aufkommen ist sehr hoch. ESA und DLR haben über 20 Experimente mehr an Bord als 2014. Alexander Gerst hat insgesamt etwa 300 Versuche für alle Partner zu machen. Zusätzlich kommen im September einige neue Racks. Das bedeutet ziemlich viel Umbau in den Laboren COLUMBUS und US-Lab.

Klingt nach einem engen Zeitplan…
Der Zeitplan für alles ist sehr ambitioniert. Bei Nominalverlauf sollte alles klappen, aber oft kommen zusätzliche Tätigkeiten oder Reparaturen dazu. Dann wird der Zeitplan eng. Das passiert schon öfter mal, wie im irdischen Betrieb auch. Nicht alles geht nach Plan. Alle müssen flexibel sein und wir hoffen, dass es weiter gut läuft. Alexander hat ja schon viel Erfahrung. Daher bekommt er oft die Arbeiten mit dem größten Schwierigkeitsgrad. Er ist ein Vollprofi und ein Perfektionist, der gerne schraubt.

Deutschland war auch in der Vergangenheit schon an Weltraummissionen beteiligt. So groß wie jetzt war die Begeisterung jedoch noch nie. Wie erklären Sie sich das?
Das stimmt. Alexander Gerst ist ein hervorragender Botschafter für die Inspiration von Jung und Alt. Er lässt über die sozialen Medien viele Menschen an seiner Mission teilhaben. Ab Anfang Oktober übernimmt er das Kommando über die ISS. Als erster Deutscher und als zweiter Europäer nimmt er diese Rolle wahr.

„Man kann sich eine Pyramide vorstellen: der Astronaut steht an der Spitze, aber auch auf einem sehr breiten Fundament.“

(Volker Schmid, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt)

 

 

 

 


Das ist eine besondere Verantwortung, oder?
Ja, denn er ist dann der Kapitän dort oben. Bei der Planung haben wir drauf geachtet, dass sich horizons von Blue Dot abhebt, aber sich die Inhalte ergänzen bzw. aufeinander aufbauen. Wir wollten noch ein Schippchen drauflegen, damit Alexander die beste Mission bekommt mit hochinteressanten Inhalten. Daher haben wir viele Premieren bei den Experimenten. PR-seitig machen DLR und ESA sehr viel, um die Bevölkerung über die Mission zu informieren, so auch eine Live-Schaltung nach Künzelsau.

Sie haben Alexander Gerst gerade schon erwähnt. Welchen Anteil hat er persönlich an dieser enormen Euphorie?
Durch seine sympathische und professionelle Art kommt Alexander Gerst überall sehr gut an. Er hat viele Eindrücke bei seiner letzten Mission mit den Menschen geteilt, zeigte uns die Erde von oben auf seine Art. Ich glaube dieser Mix macht es aus.

Selbstverständlich haben „Astro Alex“ auch viele, viele Glückwünsche aus seiner Heimatregion beim Start ins All begleitet. Bekommt er diese Unterstützung mit – oder ist er so sehr auf seine Aufgabe fokussiert, dass er so etwas komplett ausblenden muss?
Ich glaube, so etwas geht nur wenn alle hinter einem stehen. Alexander Gerst weiß, dass er diesen Rückhalt in allen Belangen hat. Die ganze Region fiebert mit, Deutschland ist auf der ISS. Ein großes Team arbeitet für seine Mission und versucht, ihm den Rücken so gut wie möglich freizuhalten. Außerdem fühlt er sich dort oben ziemlich wohl, denke ich. Man konnte das beim Hatch Open und bei seiner Ankunft auf der ISS deutlich sehen.

Letzte Frage: Konnten Sie eigentlich schon den Mega-Pro testen, den Ihnen unser CEO Christian Berner beim Stadtfest in Künzelsau im vergangenen Jahr überreicht hat? Unsere Allzweckwaffe würde ganz bestimmt auch auf der ISS gute Dienste leisten…
Ich habe den Schrauber bei einem Trainingstag an Alexander Gerst übergeben, wie gewünscht, mit besten Grüßen von der Familie Berner. Er hat ihn beim ersten Training zum Projekt CIMON am EAC in Empfang genommen. Ob er damit gearbeitet hat, weiß ich leider nicht. Sicherlich gibt es auf der ISS ähnliche Werkzeuge. Falls nicht wäre solch ein Tool sehr hilfreich.

Tipp: Wer über die Mission horizons auf dem Laufenden bleiben möchte, findet top-aktuelle News im Blog von Alexander Gerst.

 

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Thomas Plünnecke
Als Leiter der PR-Werkstatt bin ich seit 2017 dafür verantwortlich, dass in der internen und externen Kommunikation alles wie geschmiert läuft. Außerdem sorge ich für den letzten Feinschliff bei Facebook, Twitter & Co. und helfe dabei, unsere Events auf Hochglanz zu polieren.