In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Beruf des Maurers stark verändert. Jannes Wulfes, Maurermeister und Trainer im Bau-Nationalteam, kennt die Situation aus dem Effeff. Im Vorfeld der EuroSkills, die vom 26. bis 28. September 2018 in Budapest stattfinden, hat sich die Deutsche Poroton mit ihm über Ausbildung, Berufsbild und Perspektiven unterhalten. Der Ziegelverband fördert genau wie Berner die größten Handwerkstalente ihres Baugewerks.

Häufig hört man das Vorurteil, dass nur Maurer wird, wer keine andere Ausbildung bekommt. Was sagen Sie dazu, Herr Wulfes?
Das kenne ich natürlich. Aber dieser falsche Eindruck kommt nicht unbedingt von den angehenden Azubis – oft sind es die Eltern, die den Beruf schlecht reden. Sie haben ein Bild von schwerer physischer Arbeit im Kopf. Da hat sich aber vieles geändert. Klar, ein Maurer sollte fit sein, umso besser geht die Arbeit von der Hand. Schwere Lasten müssen nicht mehr mit der Hand bewegt werden, dazu gibt es Kräne. Keiner muss sich körperlich kaputt machen.

Voraussetzung für eine Maurerlehre ist der Hauptschulabschluss, oder? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Bewerber brauchen unbedingt die nötigen fachlichen Kenntnisse in Mathematik und Physik, deswegen lassen viele Betriebe mittlerweile das erste Jahr der Ausbildung komplett schulisch absolvieren. Weil der Mangel an Fachkräften so groß ist, nehmen Unternehmen unter Umständen sogar Bewerber ohne Schulabschluss. Für diese ist das sogenannte Berufsvorbereitungsjahr sinnvoll: Damit können sie den Hauptschulabschluss nachholen. Azubis mit Realschulabschluss wie ich oder Abitur sind eher selten.

© Deutsche Poroton / Claudius Pflug'Gibt es Hilfe für Azubis, die Unterstützung brauchen?
Viele Handwerkskammern bieten Lehrgänge an, die gezielt auf die theoretische Prüfung vorbereiten. Das ist auch dringend notwendig, weil die Durchfallquote hoch sein kann: In meiner Ausbildungsklasse haben 6 der 14 Azubis die Prüfung nicht geschafft.

Welche Anforderungen stellen Sie als Chef an Bewerber stellen?
Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und wenig Fehlzeiten. Am wichtigsten ist das Interesse für den Job: Es bringt nichts, wenn es dem Azubi einzig um die hohe Ausbildungsvergütung bei den Maurern geht, obwohl das natürlich ein Faktor ist. Motivation für den Beruf muss dabei sein.

Wie sieht es mit den Weiterbildungsmöglichkeiten für Gesellen aus?
Sehr gut. Mit „nur“ fünf Jahren Berufserfahrung können sie eine Weiterbildung zum Werkpolier oder zum geprüften Polier machen. Um Werkpolier zu werden, muss der Geselle einen etwa sechswöchigen Lehrgang belegen, der rund 2.000 Euro kostet. Danach kann er Fach- und Führungsaufgaben auf der Baustelle übernehmen. Der geprüfte Polier darf sogar eine Baustelle leiten. Wer selbst ausbilden und ein Gewerbe führen möchte, muss Meister werden. Das kostet circa 8.000 Euro und dauert zwei Jahre. Für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren gibt es aber über das Aufstiegs-BAföG Zuschüsse bis zu 40 Prozent vom Staat.

Empfehlen Sie, den Meister zu machen?
Auf jeden Fall. Als Meister kann man auch noch studieren, und das in jedem Bereich, der in die Meisterausbildung inbegriffen ist, beispielsweise BWL oder Bauingenieurwesen. Für den Meister spricht zudem, dass auf der Baustelle Praxiserfahrung wichtig ist. Die kommt meist zu kurz beim üblichen Weg vom Abitur über das Studium zum Ingenieur.

Wie sehen die Tätigkeitsfelder für Maurer aus?
Nach erfolgreicher Ausbildung haben Gesellen die Wahl: Stellen gibt es nicht nur in Hoch- und Betonbauunternehmen, sondern auch in Sanierungsfirmen, im Tiefbau oder beim Fertighausbau. Wir mauern Ziegel und Klinker, wir verrichten Beton- und Putzarbeiten, verlegen Fußbodenplatten und dichten Baukörper aus Stein gegen drückendes Wasser ab. Der Job ist extrem vielseitig und abwechslungsreich.

Das Interview führte die Deutsche Poroton GmbH.

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Thomas Plünnecke
Als Leiter der PR-Werkstatt bin ich seit 2017 dafür verantwortlich, dass in der internen und externen Kommunikation alles wie geschmiert läuft. Außerdem sorge ich für den letzten Feinschliff bei Facebook, Twitter & Co. und helfe dabei, unsere Events auf Hochglanz zu polieren.

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