Hans Gruhne wird in diesem Jahr bereits zum dritten Mal für den Deutschen Ruderverband an den Olympischen Spielen teilnehmen und hat mit seinen 32 Jahren eine Traumkarriere als Profisportler hingelegt. 2016 holte er bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Doppelvierer Gold. Wir wollten von ihm wissen, welcher Weg ihm zum Leistungssport führte, ob sich Ruderer auch an Ernährungspläne halten müssen und welche Pläne er für die Zeit nach Olympia geschmiedet hat.

Hallo Hans, wie bist Du eigentlich zum Leistungssport gekommen?

Hans Gruhne: Mehr oder weniger durch Zufall. Eine Trainerin aus Potsdam hatte mich in der Grundschule entdeckt. Sie ist durch die Schulen Brandenburgs gereist, um Nachwuchs fürs Rudern zu finden. Dafür hat sie vor allem nach großen Kindern Ausschau gehalten. Ich war damals mit Abstand der Größte in meiner Klasse und wurde nach Potsdam eingeladen, um mir die Sportschule, das Internat und den Ruderverein anzusehen. Ich kannte Rudern damals noch gar nicht und wusste nicht, was mich erwarten würde. Aber ich war schon immer sehr sportlich und sportbegeistert, also wollte ich es einfach mal probieren und schauen, was dabei rauskommt. Anfangs war ich alles andere als gut und die meisten hatten auch ihre Zweifel daran, ob sich das jemals ändern würde. Aber das war nur ein Ansporn für mich, besser zu werden und nach zwei, drei Jahren wurde ich tatsächlich besser und feierte meine ersten Erfolge. Davon wollte ich dann natürlich noch mehr und so blieb ich beim Rudern und wollte sehen, wie weit ich es in dieser Sportart bringen kann.

Leistungssportler haben eine tagesfüllendes Trainingsprogramm wie wir schon von Daniela Schultze erfahren haben. Hast Du einen individuellen Ernährungsplan und wie hoch liegt eigentlich Dein täglicher Kalorienumsatz? Gibt es etwas, worauf Du bei Deiner Ernährung achten musst?

Hans Gruhne: Den genauen Kalorienumsatz weiß ich leider nicht, aber er müsste so um die 4000 Kcal am Tag liegen. Ich habe selbst keinen Ernährungsplan. Um ehrlich zu sein, achten (leider) die wenigsten darauf. Das liegt aber vor allem daran, dass wir durch den hohen täglichen Umsatz auch möglichst viel essen müssen, um Energie zu tanken. Die Besonderheit bei mir ist, dass ich mich seit fast 2 Jahren komplett vegan ernähre. Das haben viele meiner Ruderkameraden und auch Trainer erstmal nicht verstanden und es kamen die üblichen Fragen „was man denn dann überhaupt noch essen kann“ und „wie ist das mit den Proteinen, wenn man kein Fleisch isst“, aber das stellt absolut kein Problem dar. Ich habe mich vorher gut informiert, hatte somit mit der Umstellung keinerlei Probleme, konnte meine Leistungen halten und fühle mich sehr gut und wohl damit.

Mit Deinen 32 Jahren kannst du auf eine erfolgreiche Karriere als Leistungssportler zurückblicken, von der viele Sportler träumen. Mit Tokio in diesem Jahr hast Du insgesamt 3 Mal an den Olympischen Spielen teilgenommen. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Welche sportlichen und beruflichen Ziele hast Du Dir für die Zeit danach gesetzt?

Hans Gruhne: Ja, ich habe jetzt wirklich schon eine sehr lange und auch erfolgreiche Ruderkarriere gehabt. Mein Fokus liegt jetzt erstmal voll und ganz auf Tokio. Es werden definitiv meine letzten olympischen Spiele sein und ich möchte diese so erfolgreich wir es nur geht bestreiten. Für die Zeit danach möchte ich mir erstmal ein wenig Bedenkzeit nehmen, um mir genau zu überlegen, ob man eventuell noch ein Jahr dranhängt oder nicht. Ansonsten würde ich wahrscheinlich relativ bald meinen Dienst bei der Bundespolizei antreten. Diese hat mich bis jetzt immer komplett vom Dienst freigestellt und hat mir somit die Möglichkeit gegeben, dass ich meinen Sport über so viele Jahre professionell und erfolgreich ausüben konnte.

Fotos: Albert Berner Deutschland GmbH und privat