Tabea Schendekehl ist seit 2019 Teil der Frauen Riemen Nationalmannschaft. Zum Rudern brachte sie ihr Onkel, der sie mit 12 Jahren zum ersten Mal zum Bootshaus mitnahm. 2016 nahm ihre Ruderkarriere Fahrt auf, als sie für die Junior WM und EM nominiert wurde und einen Platz im Juniorinnen Achter ergattern konnte. Nach zwei Siegen nahm sie 2017 bei der U23 WM im Vierer ohne Steuerfrau teil und holte sich die Bronze Medaille.

Seit 2017 studiert Tabea an der University of Washington in Seattle. Mit ihrem US-Uni Ruderteam gewann die 22-Jährige zweimal die Nationalen Meisterschaften. Nach der erfolgreichen EM 2020 in Posen mit dem Frauen Achter ist ihr aktuelles Ziel die Olympia Nachqualifikation im Mai 2021. Parallel bereitet sie sich in Seattle darauf vor, ihr Studium abzuschließen und nimmt an Regatten ihrer Uni teil. Wir wollten von ihr wissen, wie sich zu Höchstleistungen motiviert und welche Tipps sie für Nachwuchssportler hat.

Hallo Tabea, mit dem Frauen Achter hast Du ein Team mit starken Frauen hinter Dir. Welche Vorteile hat es für Dich, in einem so großen Team zu rudern und wo liegen für dich die sportlichen Herausforderungen?

Tabea Schendekehl: Rudern, besonders Riemen Rudern, ist einzigartig für mich, weil es der ultimative Teamsport ist. Es gibt keine Einzelgänger und wir sitzen alle buchstäblich im gleichen Boot. Damit das Boot gut läuft, müssen alle gut harmonieren. Die Herausforderung ist es, genau dieses Zusammenspiel zu erreichen. Vor allem die Rudertechnik muss zusammenpassen, aber es hilft auch sehr, wenn man sich gut untereinander versteht. Mir macht es unglaublich viel Spaß, gemeinsam mit den anderen Frauen das Boot so schnell wie möglich zu machen. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn du der Person vor oder hinter dir vertraust und weißt, dass sie gerade genauso viel gibt wie du. Die besten Momente im Rudern sind, wenn das Wasser spiegelglatt ist und das Boot gut läuft, dann fühlt es sich fast so an, als würde man übers Wasser fliegen. Das Gefühl kann man durch nichts ersetzen.

Neben Talent ist es vermutlich die außergewöhnlich hohe Motivation, die aus einer Sportlerin eine Spitzenathletin macht. Wann hast du gemerkt, dass du dich besonders gut motivieren kannst? Gab es für dich ein Ereignis, bei dem der Knoten geplatzt ist?

Tabea Schendekehl: Das ist richtig, Talent allein ist nicht alles. Es ist nicht selbstverständlich, dass man viele Stunden Training investiert, oft früh morgens aufsteht, und privat viel zurückstellt. Auch wenn es manchmal hart ist, gibt es genügend Motivation, immer weiter zu machen. Mich motivieren nicht unbedingt die Wettkämpfe oder möglichen Medaillen, sondern besondere Momente mit meiner Mannschaft und der eigene Ehrgeiz, mir selbst zu beweisen, was ich alles schaffen kann. Jeden Tag darf ich Teil einer Mannschaft von unglaublich inspirierenden Frauen sein. Es ist ein Privileg mit Frauen zu trainieren, die einen motivieren, die beste Version von sich selbst zu sein. Neben der physischen ist auch die mentale Stärke wichtig im Sport. Es gab so einige Momente, in denen ich gegen meine inneren Zweifel ankämpfen musste. Am Ende ist es aber extrem belohnend, wenn man es durch ein hartes Training geschafft hat.

Hast du vielleicht einen Rat für Nachwuchsruderinnen, die gerne in deine Fußstapfen treten möchten? Was sollten sie mitbringen und welche Rahmenbedingungen sollten sie sich schaffen, um erfolgreich zu sein?

Tabea Schendekehl: Gebt nicht zu früh auf. Auch wenn es am Anfang vielleicht nicht so gut läuft, lohnt es sich meistens, wenn man weiter macht. Es hat bei mir einige Jahre gedauert, in denen ich viel gelernt habe und viel gewachsen bin, bis ich dort angekommen bin wo ich jetzt bin. Hätte ich mir jemand vor 10 Jahren gesagt, dass ich mal für die Olympia Qualifikation trainiere, hätte ich das wahrscheinlich nicht geglaubt. Mitbringen sollte man Ehrgeiz, aber natürlich auch Spaß und Vertrauen in sich selbst. Wenn man an sich selbst glaubt, ist man zu weitaus mehr fähig als man denkt.

Fotos: Albert Berner Deutschland GmbH und privat