Soziales Engagement hat viele Gesichter: Die einen setzen sich für den Erhalt der Umwelt ein, andere kümmern sich um sozial Benachteiligte oder Kranke. Auch bei Berner Deutschland, dem Familienunternehmen aus Künzelsau, ist es ein fester Bestandteil der Firmenkultur, soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. So unterstützte Berner im vergangenen Jahr bereits mit der Dachsanierung auf Hof Althing, der Geldspende an die Elterninitiative tumor- und leukämieerkrankter Kinder Suhl/Erfurt e.V. und dem Einsatz auf dem Heimbacher Hof drei soziale Projekte in ganz Deutschland. Aber auch das Engagement einzelner Mitarbeiter kann sich sehen lassen. Ein Vorzeigebeispiel ist Anita Holl: Die Retouremitarbeiterin ist seit Jahren in der Rettungshundestaffel Schwäbisch Hall aktiv. Wir haben Sie und ihre beiden Hunde zu einer Trainingseinheit begleitet.

Auf Anita Holls Signal hin startet Flash durch.

Flashs Anspannung ist förmlich spürbar. Der Schäferhund reckt die Nase in den Wind, nimmt Witterung auf und wartet ungeduldig auf sein Startsignal. Er weiß genau, was ihn erwartet: Unzählige Trainingseinheiten und Einsätze mit der Rettungshundestaffel Schwäbisch Hall liegen bereits hinter dem fünfjährigen Rüden. Trotzdem ist er jedes Mal aufs Neue wie unter Strom, wenn ihn seine Besitzerin Anita Holl auf den Einsatz vorbereitet. Volle Konzentration, ungeduldiges Warten, die sensible Nase filtert bereits die verschiedenen Gerüche. Dann endlich ist es soweit. Anita Holl lässt Flash von der Leine. Auf ihr Signal hin starten 45 Kilogramm Muskelkraft durch — mit nur einem Ziel: vermisste Personen zu finden.

Trainieren für den Ernstfall

Schauplatz ist der Bauhof in Schwäbisch Hall. Langsam füllt sich der verwaiste Platz, nach und nach trudeln die rund zehn Mitglieder der DRK Rettungshundestaffel (RHS) ein. Das unwegsame Gelände wird von der tiefstehenden Abendsonne in warmes Licht getaucht. Eine fast schon romantische Stimmung breitet sich aus. Für solche Nebensächlichkeiten interessiert sich hier gerade allerdings niemand, denn die RHS trifft sich nicht zum Spaß. Im Gegenteil: Eine mehrstündige Trainingseinheit steht an, es wird für den Ernstfall geprobt.

Ernstfall bedeutet für einen konkreten Einsatz. Meistens handelt es sich dabei um die Suche nach vermissten Personen, oftmals demenzkranke oder suizidgefährdete Menschen. „Die Alarmierung geht von der Polizei aus und kommt bei uns über das Handy an“, erklärt Anita Holl, die schon seit dem 3. Juli 1978 bei Berner arbeitet. „Wenn Mitten in der Nacht ein Anruf bei mir eingeht, dann wissen meine beiden Hunde sofort Bescheid und stehen schon in den Startlöchern, bevor ich überhaupt meine Einsatzkleidung angezogen habe.“

Wenn Flash seine Kenndecke mit dem roten Kreuz, Glocke und Licht trägt, weiß er genau:
Jetzt steht Arbeit an.

Auf dem Schwäbisch Haller Bauhof ist das Training mittlerweile in vollem Gange. Nacheinander ist jeder Hund einzeln an der Reihe. Zwei bis drei Mitglieder der Staffel mimen die Vermissten und verstecken sich auf dem Gelände. Dann starten die Rettungshunde auf das Zeichen ihrer Besitzer durch: Die Nase ist immer hoch erhoben, um keinen Geruch, keine Witterung zu verpassen. Systematisch durchkämmen die Vierbeiner das Areal, gehen jeder Spur nach, folgen den Zeichen ihrer Hundeführer. Dabei darf das Döschen mit Babypuder nie fehlen: „Mit dem Puder ermitteln wir die Windrichtung, damit wir unsere Hunde entsprechend durch Signale in bestimmte Bereiche schicken und somit unterstützen können“, berichtet Anita Holl.

Unermüdlicher Einsatz

Sobald ein Hund eine Person entdeckt, zeigt er das unmissverständlich an. „Die einen Hunde bleiben an Ort und Stelle und bellen so lange, bis ihr Besitzer kommt und sie für den Fund belohnt“, erklärt die Braunsbacherin. „Die anderen, sogenannte Rückverweiser wie mein zweiter Hund Cheyenne, kehren zu ihrem Herrchen oder Frauchen zurück; dort werden sie angeleint und führen uns dann direkt zu der gefundenen Person.“

Erfolgreiches Training: Flash hat den „Vermissten“ schon nach kurzer Zeit gefunden.

Nicht nur bei Berner ist Anita Holl mit über 40 Dienstjahren ein regelrechtes „Urgestein“; die 62-Jährige engagiert sich auch seit der ersten Stunde — seit 2002 — in der RHS Schwäbisch Hall. „Ich habe damals den Aufruf in einem Laden gesehen und war sofort Feuer und Flamme“, erinnert sie sich. „Die Arbeit mit meinen Hunden machte mir schon immer Spaß. Wenn ich dann auch noch etwas Sinnvolles mit ihnen tun und anderen Menschen dabei helfen kann, ist das natürlich das Beste.“

Die Arbeit mit meinen Hunden machte mir schon immer Spaß. Wenn ich dann auch noch etwas Sinnvolles mit ihnen tun und anderen Menschen dabei helfen kann, ist das natürlich das Beste.

Anita Holl

Dabei ist das Ehrenamt in der RHS wahrlich kein Zuckerschlecken. Zwei Mal pro Woche treffen sich die Mitglieder für drei bis vier Stunden, egal ob es schneit oder regnet, um auf dem Hundeplatz, dem Bauhof oder im Wald zu trainieren. Auch mit anderen Staffeln, zum Beispiel aus Schwäbisch Gmünd oder Heidenheim, gibt es immer wieder gemeinsame Trainingseinheiten. „Der Austausch mit den Kollegen ist sehr wichtig, da wir auch bei den meisten Einsätzen zusammenarbeiten. Da ist es gut, wenn man sich kennt und sich auf die anderen Hundeführer verlassen kann“, erklärt Anita Holl.

Nichts für Faule

Bis die einzelnen Teams aus Hundeführer und Rettungshund vollständig ausgebildet und einsatzbereit sind, vergehen zwei bis drei Jahre. Allerdings ist weder jeder Hund, noch jeder Mensch dafür geeignet: „Die Hunde dürfen nicht zu klein sein, da sie im Einsatz große Distanzen zurücklegen müssen. Zu große und vor allem zu schwere Hunde sind allerdings auch nicht geeignet, da wir sie zum Beispiel bei Abseilübungen tragen müssen.“ Körperliche Fitness sei also auch nicht verkehrt, meint die Mitarbeiterin aus dem Retoure-Team schmunzelnd.

Rückverweiser Cheyenne führt Anita Holl zu der „Vermissten“.

Die Vierbeiner werden teilweise schon ab dem Welpenalter ausgebildet und auf die Aufgaben als Rettungshund vorbereitet. Für den Menschen heißt es: Schulbank drücken! Erste-Hilfe-Kurse, eine Ausbildung zum Sanitätshelfer, der Umgang mit Karte und Kompass, Einsatztaktik, Erste Hilfe für den Hund und eine Funkausbildung sind nötig, um die Prüfung zum Rettungshundeführer ablegen zu können. Alle zwei Jahre stehen dann Auffrischungskurse an. „Es ist einsehr zeitintensives Ehrenamt, man muss schon ein kleiner Idealist sein“, gesteht Anita Holl. „Aber es ist schön, mit dem Team zusammenzuarbeiten und anderen Menschen zu helfen.“

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